Kalibrierung, Justierung, Eichung: der Unterschied einfach erklärt
„Der Messschieber muss geeicht werden“ – ein Satz, der in fast jeder Werkstatt fällt und fast immer etwas anderes meint. Die drei Begriffe bezeichnen drei verschiedene Vorgänge, mit unterschiedlichen Folgen für das Gerät und für den Nachweis.
Kalibrieren: feststellen, nicht verändern
Beim Kalibrieren wird die Anzeige eines Messmittels mit einem genaueren, rückgeführten Normal verglichen und die Abweichung dokumentiert – samt Messunsicherheit. Das Gerät wird dabei nicht verändert. Das Ergebnis ist ein Kalibrierschein: an diesen Punkten zeigt das Gerät so viel zu viel oder zu wenig an.
Ob das Gerät danach „in Ordnung“ ist, sagt die Kalibrierung für sich genommen nicht. Das entscheidet erst der Vergleich mit einer Grenze – die Fehlergrenze aus der Norm oder Ihre eigene Vorgabe. Diesen Schritt nennt man häufig Prüfung oder Verifizierung.
Justieren: eingreifen, damit es wieder stimmt
Justieren heißt, das Messmittel so einzustellen, dass seine Abweichung möglichst klein wird – Nullpunkt setzen, Anschlag nachstellen, eine Waage neu abgleichen. Justieren verändert das Gerät. Deshalb gehört davor und danach eine Kalibrierung: der Zustand „wie vorgefunden“ (as found) und „wie übergeben“ (as left).
Warum „wie vorgefunden“ zählt: Nur dieser Wert sagt, wie das Messmittel in der zurückliegenden Zeit gemessen hat. Lag er außerhalb der Grenze, müssen nach ISO 9001 Abschnitt 7.1.5.2 die seitdem erzielten Messergebnisse bewertet werden. Ein Schein, der nur den Zustand nach der Justage zeigt, beantwortet diese Frage nicht.
Eichen: hoheitlich und nur für bestimmte Zwecke
Eichen ist eine gesetzliche Prüfung durch die Eichbehörde oder eine staatlich anerkannte Prüfstelle. Sie betrifft Messgeräte im gesetzlichen Messwesen, geregelt im Mess- und Eichgesetz (MessEG) und der Mess- und Eichverordnung: Waagen, mit denen Ware nach Gewicht verkauft wird, Zapfsäulen, Strom- und Wasserzähler und Ähnliches. Geeichte Geräte tragen eine Eichmarke und haben eine gesetzliche Eichfrist.
Der Messschieber in der Fertigung fällt in aller Regel nicht darunter. Er wird kalibriert oder geprüft – „geeicht“ wird er nur umgangssprachlich.
| Kalibrieren | Justieren | Eichen | |
|---|---|---|---|
| Was geschieht | Abweichung feststellen und dokumentieren | Gerät einstellen, Abweichung verkleinern | Gesetzliche Prüfung auf Einhaltung der Eichfehlergrenzen |
| Gerät verändert? | nein | ja | nein (ggf. Justage vorab) |
| Wer | Labor oder eigene Prüfstelle | Hersteller, Labor, befähigte Person | Eichbehörde, staatlich anerkannte Prüfstelle |
| Grundlage | ISO 9001, IATF 16949, ISO 10012 | Herstellerangaben | MessEG, MessEV |
| Nachweis | Kalibrierschein | Protokoll, mit Kalibrierung davor und danach | Eichmarke, Eichschein |
Werkskalibrierschein oder DAkkS-Kalibrierschein?
Ein DAkkS-Kalibrierschein stammt von einem Labor, das die Deutsche Akkreditierungsstelle nach DIN EN ISO/IEC 17025 für genau diese Kalibrierung akkreditiert hat. Rückführung und Messunsicherheit sind damit von dritter Seite bestätigt; der Schein trägt das DAkkS-Symbol und die Registriernummer des Labors.
Ein Werkskalibrierschein (Werksprüfzeugnis) wird von einem Labor oder Hersteller ohne diese Akkreditierung ausgestellt. Er kann völlig ausreichend sein, wenn die Rückführung der verwendeten Normale belegt ist. Für Normale, mit denen Sie selbst andere Messmittel prüfen, und in der Automobilindustrie (IATF 16949, Abschnitt 7.1.5.3.2) wird in der Regel ein akkreditiertes Labor erwartet.
Die richtige Reihenfolge
- Kalibrieren – Zustand wie vorgefunden festhalten.
- Bewerten – liegt das Gerät innerhalb der Grenze, samt Messunsicherheit?
- Falls nötig justieren – und danach erneut kalibrieren.
- Bei „außerhalb“ im ersten Schritt: Rückwirkung bewerten – welche Messungen seit der letzten Prüfung sind betroffen?
- Kennzeichnen und die neue Frist festlegen.
Wie Kalibrat dabei hilft
Jede Prüfung trägt die Messwerte je Punkt, die Messunsicherheit, das verwendete Normal und die Maßnahme – freigegeben, justiert, gesperrt, ausgesondert. Bei „nicht in Ordnung“ verlangt Kalibrat die Bewertung der bisherigen Messergebnisse, bevor gespeichert wird. Kalibrierscheine werden abfotografiert oder per Mail empfangen und am Gerät abgelegt; die Rückführungskette zeigt, mit welchem Normal geprüft wurde und wann das selbst kalibriert war.
Kostenlos ausprobierenHäufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Kalibrierung und Eichung?
Eine Kalibrierung stellt die Abweichung eines Messmittels gegenüber einem rückgeführten Normal fest und dokumentiert sie. Eine Eichung ist eine gesetzliche Prüfung nach dem Mess- und Eichgesetz, die nur für Messgeräte im gesetzlichen Messwesen vorgeschrieben ist, etwa Waagen im Handel.
Muss ein Messschieber geeicht werden?
In der Regel nein. Messmittel in der Fertigung unterliegen nicht der Eichpflicht. Sie werden kalibriert oder geprüft, damit ihre Eignung nach ISO 9001 Abschnitt 7.1.5 nachgewiesen ist.
Was bedeutet Justieren?
Justieren heißt, ein Messmittel so einzustellen, dass seine Abweichung möglichst klein wird. Anders als beim Kalibrieren wird das Gerät dabei verändert; deshalb gehört eine Kalibrierung davor und danach dazu.
Reicht ein Werkskalibrierschein?
Für viele Messmittel ja, wenn die Rückführung der verwendeten Normale belegt ist. Für eigene Normale und in der Automobilindustrie wird in der Regel ein nach DIN EN ISO/IEC 17025 akkreditiertes Labor erwartet.
Stand: September 2026. Diese Seite gibt den fachlichen Sachstand wieder und ersetzt weder Rechtsberatung noch die eigene Festlegung im Betrieb. Verbindlich sind die jeweils geltenden Fassungen der genannten Normen und Vorschriften.